Verhalten und Lebensstrategien

Tiere, die im Wasser leben, haben vielfältige Verhaltensweisen und Lebensstrategien beim Jagen, Fliehen oder Tarnen entwickelt. Auf dieser Seite wird aufgezeigt, wie sie ihren Alltag meistern und auf die Umwelt reagieren, um in Seen, Flüssen und Meeren zu überleben.

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Schwarmbildung als Überlebensstrategie

Viele Fischarten leben und schwimmen in großen Schwärmen. Dabei bewegen sich die Tiere dicht nebeneinander und stimmen ihre Bewegungen nahezu perfekt aufeinander ab. Diese Lebensweise bietet mehrere Vorteile.

Zum einen schützt der Schwarm vor Fressfeinden, da es Räuber schwerer haben, ein einzelnes Tier aus der großen Gruppe zu fangen. Zum anderen entstehen durch die Bewegungen der Fische Wasserströmungen, die von den anderen Schwarmmitgliedern genutzt werden können.

Ein Fisch, der hinter oder seitlich neben einem anderen Fisch schwimmt, profitiert von diesen Strömungen und muss weniger Kraft für seine Fortbewegung aufwenden. Ähnlich wie Radfahrer im Windschatten sparen die Tiere dadurch Energie. Dies ist besonders bei längeren Wanderungen von Vorteil. Außerdem erleichtert das Schwimmen im Schwarm die Orientierung, da sich die Fische an den Bewegungen ihrer Nachbarn orientieren können.

Auch außerhalb von Schwärmen nutzen viele Wasserlebewesen die natürlichen Wasserströmungen, um Energie zu sparen. Statt dauerhaft aktiv zu schwimmen, lassen sie sich zeitweise treiben und verringern so ihren Energieverbrauch.

Fischschwarm (Gewöhnliche Schnepfenfische)
Fischschwärme können aus mehreren Millionen Fischen bestehen. Je größer der Schwarm ist, desto besser sind die einzelnen Fische vor Fressfeinden geschützt.
Fischschwarm ändert Richtung
Ein Fischschwarm kann blitzschnell die Richtung ändern. Bei Gefahr reagieren die Fische sofort und geben das Signal weiter, sodass sich der ganze Schwarm nahezu gleichzeitig bewegt.

Sieh dir auf unserer Startseite an wie sich ein Schwarm bewegt!

Schwarmverhalten gibt es aber nicht nur bei Fischen. Auch Krill, einige Tintenfische und andere Meerestiere wie Quallen und Schildkröten bewegen sich zeitweise in großen Gruppen.

Krill
Krill bildet bei Nahrungsknappheit Schwärme, um gemeinsam planktonreiche Gebiete zu finden, sich vor Fressfeinden zu schützen und Fortpflanzungspartner zu finden.
Ohrenquallen
Ohrenquallen können in großen Ansammlungen auftreten, die als Quallenblüten bezeichnet werden.
Meeresschildkröten
Meeresschildkröten bilden normalerweise keine Schwärme. Aber bei der sogenannten „Arribada“ kommen Tausende von Schildkröten gleichzeitig an den Strand, um ihre Eier abzulegen.

Jagdstrategien zur Nahrungssuche

Alle Tiere im Wasser müssen Nahrung finden, um zu überleben. Wassertiere nutzen unterschiedliche Jagd- und Ernährungsstrategien, die an ihren Lebensraum und ihre Beute angepasst sind. Dazu gehören zum Beispiel Lauern, Verfolgen, Jagen, Filtrieren oder die Nahrungssuche am Gewässerboden. Diese Strategien helfen ihnen, ausreichend Nahrung zu finden und dabei möglichst wenig Energie zu verbrauchen.

Lauerjagd

Viele Tiere im Wasser sind Lauerjäger. Sie warten gut versteckt auf vorbeikommende Beute und greifen im richtigen Moment blitzschnell an. Dazu gehören zum Beispiel Hechte, manche Tintenfische und einige Krebsarten. Durch das geduldige Warten sparen sie Energie, da sie ihre Beute nicht verfolgen müssen. Viele Lauerjäger sind gut getarnt. Dadurch bleiben sie für ihre Beute lange unentdeckt und können im richtigen Moment zuschlagen.

Hecht zwischen Wasserpflanzen
Der Hecht ist ein bekannter Lauerjäger in Österreich. Seine grünliche Färbung mit hellen Flecken tarnt ihn zwischen Wasserpflanzen, wo er bewegungslos auf Beute wartet.
Libellenlarve
Libellenlarven lauern am Gewässergrund und fangen mit ihrer blitzschnell ausklappbaren Fangmaske kleine Wassertiere und Fischlarven.

Verfolgungsjagd

Andere Tiere sind aktive Jäger. Sie suchen ihre Beute gezielt und verfolgen sie oft über längere Strecken. Dazu zählen zum Beispiel Thunfische, Barsche, Haie und Delfine. Dabei helfen ihnen ihre gut entwickelten Sinnesorgane sowie ihre Schnelligkeit und Ausdauer. Viele Hetzjäger sind zudem schnelle und ausdauernde Schwimmer. Die Verfolgungsjagd erfordert mehr Energie als die Lauerjagd, ermöglicht es den Tieren aber, gezielt nach Nahrung zu suchen.

Blauhai
Haie können schwache elektrische Signale anderer Tiere wahrnehmen und finden so auch versteckte oder schlecht sichtbare Beute.
Gelbflossen-Thunfisch
Thunfische erreichen bis zu 70 km/h und können dank ihres stromlinienförmigen Körpers Beute über lange Strecken verfolgen.

Gemeinschaftsjagd

Bei der Gemeinschaftsjagd arbeiten mehrere Tiere zusammen, um Beute erfolgreicher zu fangen. Die einzelnen Tiere übernehmen dabei oft unterschiedliche Aufgaben. Sie treiben Fischschwärme zusammen, versperren Fluchtwege oder umkreisen ihre Beute. Durch die Zusammenarbeit können sie auch größere oder besonders flinke Beutetiere erbeuten.

Delfine
Delfine verdichten Fischschwärme, indem sie diese umkreisen. Aus der dicht gepackten Fischkugel können Delfine leichter Beute erfassen.
Orcas
Bestimmte Orca-Populationen treiben Fischschwärme zu einer dichten Kugel zusammen und betäuben die Fische mit einem kräftigen Schlag ihrer Schwanzflosse aufs Wasser. Durch die Druckwelle werden die Fische verletzt bzw. sind kurzzeitig benommen.

Filtrieren

Zahlreiche Arten ernähren sich von winzigen Organismen, die im Wasser schweben. Muscheln, Schwämme und manche Walarten sind Filtrierer. Sie nehmen Wasser auf und filtern daraus Plankton oder andere Kleinstlebewesen heraus. Diese Strategie ermöglicht es ihnen, große Mengen Nahrung mit geringem Energieaufwand zu gewinnen.

Bartenwale nutzen dazu Barten im Maul, während Muscheln und Schwämme das Wasser durch den Körper strömen lassen und die Nahrung herausfiltern.

Große Teichmuschel
Die Teichmuschel filtert täglich viele Liter Wasser, nimmt dabei Plankton und winzige Nahrungspartikel auf und trägt so zur Wasserreinigung bei.
Goldschwamm
Schwämme gehören zu den einfachsten Tieren und filtern Nahrungspartikel aus dem Wasser, das sie ständig durch ihren Körper pumpen. Sie sind fest am Untergrund verankert.
Walhai
Der Walhai ist mit seinen bis zu 20 Metern Länge der größte Fisch der Welt. Trotz seiner Größe ernährt er sich hauptsächlich von Plankton und kleinen Tieren, die er aus dem Wasser filtert.

Nahrungssuche am Gewässerboden

Viele Tiere suchen ihre Nahrung am Gewässerboden. Krebse, Seesterne und zahlreiche Fischarten durchstöbern Sand, Schlamm oder Felsspalten nach Würmern, Muscheln, kleinen Tieren oder abgestorbenen Pflanzenresten. Dabei nutzen sie oft ihren Geruchs-, Tast- oder Geschmackssinn. Diese Art der Nahrungssuche ist besonders in Bereichen verbreitet, in denen sich viel organisches Material am Boden ansammelt.

Signalkrebs
Signalkrebse fressen abgestorbene Pflanzen- und Tierreste und helfen so, organisches Material abzubauen und Nährstoffe im Ökosystem zu recyceln.
Europäischer Wels
Welse ertasten und „erschmecken“ mit ihren Barteln Nahrung am Gewässerboden, auch in trübem Wasser.
Weitaugenbutt
Plattfische liegen gut getarnt auf dem Gewässergrund. Sie entdecken dort Würmer, Muscheln und kleine Krebse.

Bei der Nahrungssuche spielt also der Energieverbrauch eine wichtige Rolle. Die meisten Wasserlebewesen schwimmen deshalb nicht dauerhaft mit höchster Geschwindigkeit. Sie bewegen sich meist mit einem Tempo, das möglichst wenig Energie kostet. Schnelle „Sprints“ werden vor allem beim Beutefang oder bei der Flucht eingesetzt.

Tarnung und Energiesparen als Schutzstrategien

Lebewesen in Gewässern sind verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Sie müssen sich vor Feinden schützen und schwierige Umweltbedingungen überstehen. Dafür haben sie unterschiedliche Schutzstrategien entwickelt. Zwei wichtige Strategien sind die Tarnung und das Energiesparen.

Tarnung – sich vor Feinden verstecken

Bei der Tarnung passt sich ein Tier in Farbe, Muster oder Verhalten an seine Umgebung an. Dadurch wird es für Feinde schwerer, entdeckt zu werden.

Bachforelle
Die dunklen und roten Flecken der Bachforelle tarnen sie zwischen Steinen und in schattigen Bachbereichen.
Edelkrebs
Edelkrebse sind bräunlich-grün gefärbt und dadurch auf dem Untergrund von Bächen und Teichen gut getarnt.
Teichfrosch
Die grüne Färbung des Teichfrosches tarnt ihn zwischen Wasserpflanzen und Schilf vor Fressfeinden.

Auch Jungtiere sind oft getarnt. Die Küken vieler Wasservögel besitzen ein braun gesprenkeltes Gefieder. Dadurch fallen sie im Schilf und zwischen Uferpflanzen weniger auf.

Einige Tiere nutzen ihre Körperhaltung zur Tarnung. Frösche bleiben zum Beispiel bei Gefahr regungslos sitzen, dadurch werden sie von Fressfeinden deutlich schwerer wahrgenommen.

Energiesparen – Kräfte für schwierige Zeiten sammeln

Tiere benötigen Energie für Bewegung, Wachstum und die Aufrechterhaltung ihrer Körperfunktionen. Besonders wechselwarme Wassertiere wie Fische, Amphibien und Reptilien können bei niedrigen Temperaturen ihren Energieverbrauch verringern. Da ihre Körpertemperatur von der Umgebungstemperatur abhängt, werden ihr Stoffwechsel und ihre Aktivität im Winter deutlich langsamer. Die Körperfunktionen wie Herzschlag und Atmung werden deutlich reduziert. Je weniger Energie ein Tier in schwierigen Zeiten verbraucht, desto größer sind die Chancen, den Winter oder andere ungünstige Umweltbedingungen zu überstehen.

Karpfen
Der Stoffwechsel bei Karpfen wird mit sinkender Wassertemperatur langsamer. Sie bewegen sich weniger und sparen dadurch Energie.
Europäische Sumpfschildkröte
Die Europäische Sumpfschildkröte überdauert die kalte Jahreszeit mit stark reduzierter Aktivität. Sie kommt über längere Zeit mit wenig Energie aus.

Verstecke diese sechs Tiere im Bild und lass dann jemanden nach deinen Tieren suchen! Wer am wenigstens Versuche braucht, die Tiere zu finden gewinnt.

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